Rucksack
Die folgende Bauanleitung beschäftigt sich mit Wanderrucksäcken für Touren in Mitteleuropa für Touren mit bis zu sieben Tagen Dauer. Also für Wanderungen mit bis zu ca. 12 kg Rucksackgewicht. Diese Einschränkung resultiert aus der Tatsache, daß ich noch keine Möglichkeit der einfachen Konstruktion eines effektiven Hüftgurtes, der die Last auf die Hüfte übertragt, gefunden habe.
Konstruktion
Zuerst sollte man sich folgende Frage stellen:
„Was ist der genaue Zweck, eines Rucksacks?“
Die Grundfunktion des Rucksacks ist, meine restliche Ausrüstung mit mir zu führen, das heißt erst einmal, daß man diverse Dinge in ihm verstauen können muß. Diese Anforderung erfüllt ein sackähnliches Gebilde sehr gut. Bringt man an der Öffnung noch einen Schnürzug an, so verhindert man das die Ausrüstung wieder herausfällt. Außerdem wird so auch schon mal eine ganze Menge an Regen abgehalten. Prima.
Diesen Sack könnte man sich nun einfach über die Schulter werfen und losziehen. Einige haben das auch so gemacht. Diejenigen unter uns die, und ich zähle mich dazu, es etwas bequemer haben wollen, können noch zwei Schultergurte anbringen.
Nun haben wir die einfachste Form eines Rucksacks konstruiert. Später werden wir sehen, daß das mein fertiger Rucksack sich kaum von dieser unterscheidet und nur sehr wenig mehr Zubehör dazukommen wird.
Diese Basisversion ist sehr unkompliziert, also auch sehr robust. Merke: „Wo nichts ist, kann auch nichts kaputtgehen!“
Eine sehr einfache Möglichkeit Gewicht zu sparen ist der Stoff selbst. Die meisten kommerziell erhältlichen Rucksäcke sind in dieser Hinsicht viel zu überdimensioniert (oder wann haben sie ihren letzten durchgescheuerten Rucksack gesehen?). Durch geschickten Einsatz von Verstärkungen an den hochbelasteten Stellen kann man das Gewicht erheblich drücken, ohne die Robustheit des Rucksacks groß zu vermindern.
Die häufigsten Fehlerquellen bei Rucksäcken sind ausgerissene Gurte und gebrochene Schnallen. Also reduzieren wir ihre Anzahl auf ein Minimum und verwenden, falls es sich nicht vermeiden lässt, nur beste Qualität.
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Wie schon gesagt hat mein 7 Tage- Rucksack, von der Grundform ausgehend nur wenig mehr Ausstattung:
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Benötigte Materialien
festen Kunstfaserstoff (ca. 250- 300 gr./m2) für den Rucksackboden/ -rücken und Schultergurte
leichten Kunstfaserstoff (ca. 150- 200gr./m2)
festen Netzstoff
1,2m Gurtband 40 mm breit
2m Gurtband 20 mm
2 Stücke von einer alten Isomatte jeweils 8 x 50 cm groß
eine Steckschnalle 20 mm (gute Qualität!!!! Fastex, National Molding)
zwei Klemmschnallen 20 mm (gute Qualität!!!! Fastex, National Molding, Nexus)
normalen Nähfaden
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Zuschnitt
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Achten sie beim Zuschnitt auf ausreichende Nahtzugabe, ca. 2cm sind Minimum. Das verhindert, daß die Nähte ausreißen. |
Schultergurte

Netztaschen
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Nähen sie aus den langen Stoffstreifen einen Tunnel, wobei der obere Rand des Netzstoffs mit gefasst wird. |
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Fädeln sie nun ein Stück Gummilitze (etwas kürzer als die Breite der FERTIGEN Tasche) durch den Tunnel. Das geht einfacher wenn sie das eine Ende der Litze mit einer Sicherheitsnadel versehen, und sie diese als Griff benutzen. |
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Sichern sie nun die Enden der Litze durch ein Paar Stiche an den Eingängen des Tunnels. Der obere Rand ist nun gerafft, da der Gummizug viel kürzer als der obere Taschenabschluss ist. |
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Die Netztaschen werden auf das Vorderteil und die Seitenteile genäht. Dabei sollten die unteren Ecken der Netztasche gerafft werden, sie "ausbeulfähig" zu machen. Im Folgenden sind die Nähte rot gezeichnet- denkt daran das natürlich immer "auf links genäht wird. auch wenn es auf den Bildern anders gezeichnet ist. Die Bilder zeigen wo die Nähte am fertigen Rucksack verlaufen. |
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Nun näht man Vorder- und Rückteil zusammen, sowie die oberen und unteren Seitenteile. (Dreifachnaht!!!!) |
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Der untere Teil der Rucksackgurte wird wie in der Bilderfolgegezeigt gefertigt. |
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Die Schultergurte werden nun an die Seitenteile genäht. |
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Nun wird die obere Schultergurtverstärkung auf das Rückenteil genäht, wobei man entweder die Knten vorher versäumt, oder man heftet die Verstärkung mit untergeschlagenen Kanten auf das Rückenteil. Wichtig ist das dieses plan auf dem Rückenteil aufliegt, da es nur so die Belastung vom Schultergurt ordentlich auf eine große Fläche übertragen kann. Die untere Kante sollte mehrfach genäht werden. |
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Nun näht man Seiten- und Vorder-/Rückenteile zusammen. (Dreifachnaht!!!!). Am besten fängt man dazu am vorderen Ende des Rückenteils an. |
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Die Schultergurte werden mit mehreren Reihen von engen Zickzackstichen bombenfest auf die Verstärkung genäht. |
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Der Schneefang wird zu einem schlauch vernäht und mit einem Schnürzugtunnel auf einer Seite versehen (siehe hierzu die Packsackseite) Den Schneefang näht man nun an die Oberkante vom Rest des Rucksacks. |
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Zuletzt näht man noch einen Kompressionsriemen quer über die obere Rucksackseite- er ist dazu da den oberen Rucksackteil näher an den Körperschwerpunkt zu bringen, das Tragen wird so einfacher. Und versieht Ihn mit einem Blitzverschluss. |
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Fertig!!!!! |
Beispiele:
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Mein Hochtourenrucksack: Deckeltasche, Kompressionsriemen, zwei Eispickelhalter, Trinksystemschlaufe, Rückenpolster aus gefalteter, 90 cm langer Isomatte (praktisch für die Rast), Netzaußentaschen für Kleinkram, einfacher Hüftgurt aus Gurtband |
| Mein Leichtrucksack,
der mich auf unzähligen Touren in den Dolomiten
begleitete. Trotz des vergleichsweise dünnen Materiels hat
es dem manchmal recht scharfkantigem Dolomits gut
standgehalten. Lediglich ein einziger Riss in der vorderen
Netztasche zeugt von der Beanspruchung.
Kompressionsriemen, 3 Netzaussentaschen für Kleinkram, 2 Schulterriemen, that's all folks- 300 gr. Gesamtgewicht |
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| Nun der absolute
Ultraleichtrucksack, 250 gr, genug Platz um alles für ein
Wochenende in heimischen Gefilden zu verstauen. Bis auf
die fehlende große Netztasche und dünneren
Schulterpolstern baugleich mit dem obigen Modell, nur mit
viel leichteren Materialien (Silnylon, fast durchsichtig).
Man beachte das völlig nutzlose Poserfeature in Form einer
Eispickelschlaufe. |
Nachtrag:
Einige Jahre sind nun ins Land gegangen und ein neuer Rucki
musste her da die obigen einfach in die Jahre gekommen waren.
Teils waren sie einfach aus der Zeit gefallen, teils zeigten sie
ordentliche Verschleißerscheinungen.
Bei dem Rucksack ist ein wenig die Featureitis ausgebrochen, ich
meine damit die nicht unbeträchtliche Menge an
Ausstattungsmerkmalen und Details. Bei Kaufausrüstung ist das
meist ein Zeichen für einen ordentlichen Gewichtsaufschlag bei
oft fragwürdigem Nutzen für den Anwender. Das fertige Teil wiegt
345 gr. Ich hoffe wenigstens einigermaßen die Gratwanderung
zwischen zu wenig Gadgets und zu viel Gewicht geschafft zu
haben.
Features:
Kompressionsschnüre, falls gegen Ende der Tour das Proviant zur
Neige geht
Y- Strap, um die Oberseite des Rucksacks in Form zu bringen
Hüftgurtschnallen, falls ich in Zukunft entscheiden sollte doch
einen Hüftgurt anzubringen
Schultergurttaschen, einmal für eine Wasserflasche und einmal
für das Handy
Netztaschen an den Seiten, für Wasser und Kleinkram
große Netztasche hinten zum Trocknen von Sachen und zusätzlicher
Stauraum
Bodenfach mit Trashport, für Snacks
Im Prinzip hat sich an der Konstruktionsweise, im Vergleich zu
den oben gezeigten Rucksäcken, nichts geändert. Außentaschen,
Verstärkungen und Gurte an die jeweiligen Stoffteile des
Rucksackkorpus annähen und diese anschließend mit ausreichend
Nahtzugabe (ca. 1,5 cm) zusammensteppen. Die Nahtzugabe habe ich
innen einfach mit Zickzack versäubert- nicht schön, aber, im
Gegensatz zum im kommerziellen Bereich oft verwendeten Nahtband,
deutlich leichter. Wo es die Nahtzugabe zuließ, habe ich meine Rucksacknaht gemacht.
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